Schlagwort-Archiv: Kollokationstypen

Unsere Kollokationskonzeption

Weite vs. enge Kollokationskonzeptionen: Im Laufe der Geschichte der Kollokationsforschung wurden zahlreiche unterschiedliche Definitionen und Konzeptionen für den Terminus "Kollokation" vorgeschlagen. Insgesamt kann dabei zwischen weite(re)n und enge(re)n Auffassungen unterschieden werden. Gemäß einer sehr weiten Konzeption, die primär quantitativ und statistisch ausgerichtet ist und z.B. in der  Computer- und Korpuslinguistik verbreitet ist, handelt es sich bei einer Kollokation um jegliches Miteinandervorkommen von Wörtern in einem Korpus, unabhängig vom semantischen Gehalt der Verbindungen. Wird hingegen von einer engen, vorwiegend qualitativ und semantisch ausgerichteten Konzeption ausgegangen, so handelt es sich bei Kollokationen um einen bestimmten Typus von Phraseologismen (im weiteren Sinne), der auf dem Kontinuum zwischen freien Wortverbindungen auf der einen Seite und idiomatischen Ausdrücken (Idiomen) auf der anderen Seite anzusiedeln ist: Kollokationen sind demzufolge weder gänzlich "frei" zusammensetzbar noch vollständig idiomatisiert; aus diesem Grund werden sie oft auch als "halbfest" bezeichnet.

Kollokationsstruktur "Basis + Kollokator": Gemäß der engen, semantisch ausgerichteten Kollokationskonzeption stellen Kollokationen hierarchisch organisierte, binäre (zweigliedrige) Wortverbindungen dar, welche aus einer so genannten "Basis" und einem so genannten "Kollokator" bestehen. Die Basis ist in der Regel in ihrer wörtlichen Bedeutung verwendet und dem Kollokator kognitiv übergeordnet, während der Kollokator innerhalb der Kollokation von seiner Ausgangsbedeutung auch abweichen kann und seine Wahl stets von der jeweiligen Basis abhängt. Beim Kollokator handelt es sich um den "unvorhersehbaren" Bestandteil, den Fremdsprachenlernende oft nicht kennen, nach dem sie im Wörterbuch suchen und der in verschiedenen Sprachen unterschiedlich sein kann. So sind z.B. in den Kollokationen piantare un chiodo ('einen Nagel einschlagen', wörtl.: "einpflanzen"), la lezione salta ('die Stunde fällt aus / entfällt', wörtl.: "springt") und un CD/DVD vergine ('eine unbespielte / leere [wörtl.: “jungfräuliche”] CD/DVD', 'ein [CD-/ DVD-]Rohling') die Basen durch die Substantive chiodo, lezione bzw. CD/DVD repräsentiert, die Kollokatoren hingegen durch die Verben piantare und saltare bzw. das Adjektiv vergine.

Kollokationstypen unter morpho-syntaktischem Aspekt:
  1. Substantiv (Subjekt) + Verb: la fiamma / la luce tremola / vacilla ‘die Flamme / das Licht flackert’, lo stomaco brontola ‘der Magen knurrt’, il tempo stringe ‘die Zeit drängt / ist knapp’
  2. Verb + Substantiv (direktes Objekt): appuntire una matita ‘einen Bleistift spitzen’, battere un record ‘einen Rekord brechen’, ingannare la fiducia (di qcn.) ‘(jmds.) Vertrauen missbrauchen’; Funktionsverbgefüge: dare un’occhiata (a qcs. / qcn.) ‘einen Blick (auf etw. / jmdn.) werfen’, fare naufragio ‘Schiffbruch erleiden’
  3. Verb + Präpositionalsyntagma: fumare / ribollire di rabbia 'vor Wut kochen', morire / scoppiare di curiosità 'vor Neugierde platzen'; Funktionsverbgefüge: andare a fuoco ‘brennen’/ ‘Feuer fangen’, mettere (qcs.) in moto ‘(etw.) in Bewegung setzen’
  4. Verb + Adverb / Präpositionalsyntagma (in der Funktion eines Modaladverbiale): ancorare saldamente ‘fest verankern’, fallire miseramente ‘kläglich scheitern’, pentirsi amaramente (di qcs.) ‘(etw.) bitter bereuen’
  5. Substantiv + Adjektiv / Präpositionalsyntagma (in der Funktion eines Attributs): un argomento delicato / spinoso ‘ein heikles Thema’, una sfacciataggine inaudita ‘eine bodenlose Frechheit’, uno scherzo da prete ‘ein blöder / schlechter Scherz’
  6. Adjektiv / Partizip + Adverb / Präpositionalsyntagma (in der Funktion eines Attributs): perdutamente innamorato ‘unsterblich / hoffnungslos verliebt’, ubriaco fradicio ‘stockbetrunken’, nuovo di zecca / fiammante ‘funkelnagelneu’

Kollokationstypen unter semantisch-begrifflichem Aspekt:

  1. Kollokationen mit semantisch sehr spezifischem Kollokator, der eine sehr große Intension und einen sehr engen Kombinationsradius aufweist: il sole tramonta 'die Sonne geht unter', digrignare i denti 'die Zähne fletschen', un naso camuso ‘eine platte / stumpfe Nase’
  2. Kollokationen mit polysemem (mehrdeutigem) Kollokator, der innerhalb der Kollokation im Vergleich zu seiner Ausgangsbedeutung eine semantische Weiterentwicklung bzw. Bedeutungsmodifikation erfahren hat (meist in Form einer metaphorischen Übertragung): la collera sbollisce / svanisce ‘der Zorn verraucht’, nutrire speranza ‘Hoffnung hegen / schöpfen’, una fiducia cieca ‘blindes Vertrauen’
  3. Kollokationen mit semantisch entleertem / vagem Kollokator, der eine sehr kleine Intension und einen sehr weiten Kombinationsradius aufweist (oft Funktionsverbgefüge): prendere una decisione 'eine Entscheidung treffen', mettere (qcs.) in rilievo ‘(etw.) hervorheben’, porre un freno (a qcs. / qcn.) ‘(etw. / jmdm.) Einhalt gebieten’
  4. Elliptische Kollokationen (selten): il cellulare non prende ‘das Handy hat keinen Empfang’ (wörtl.: "das Handy nimmt nicht"), il rubinetto perde ‘der (Wasser)hahn tropft' (wörtl.: "verliert"; in diesem Beispiel wird das direkte Objekt acqua ‘Wasser’ ausgelassen, wodurch sich der Kollokationsstatus der Verbindung erst ergibt)
  5. Kollokationen an der Grenze zu den freien Wortverbindungen, insofern sie nur bestimmte Kollokatoren zulassen, während andere (theoretisch ebenfalls mögliche) Kollokatoren ausgeschlossen sind: occhi storti 'Schielaugen' (aber nicht: ?occhi obliqui), levare / cavareestirpareestrarrestrapparetogliere un dente 'einen Zahn ziehen' (aber nicht: ?tirare un dente)

Sonderfall semiidiomatische Kollokationen: Bei semi- oder teilidiomatischen Kollokationen ist der Kollokator idiomatisiert, wie im Falle der Kollokation un numero verde ‘eine kostenlose (wörtl.: “grüne”) (Ruf)nummer’. Da die Basis jedoch nicht idiomatisch gebraucht ist (numero = ‘[Ruf]nummer’), sind solche Verbindungen insgesamt nur teilidiomatisch und aus diesem Grund nicht den (Voll-)Idiomen zuzurechnen, sondern noch zu den Kollokationen zu zählen, weil mindestens ein Teil der Verbindung wörtlich gebraucht ist und die Gesamtbedeutung meist noch aus den einzelnen Teilen erschließbar ist. Es gibt auch Semi-Idiome mit “ungewöhnlicher Kollokationssyntax”, wie im Falle von divertirsi un mondo (‘sich köstlich amüsieren’, wörtl.: “sich eine Welt amüsieren”): Bei diesem Beispiel stellt das Verb divertirsi die Basis dar, weil es sich um den wörtlichen Teil der Verbindung handelt, während es sich beim Modaladverbiale un mondo um den idiomatisch gebrauchten Kollokator handelt.

Sonderfall Komposita: Einige italienische Verbindungen bestehend aus einem Substantiv + Adjektiv oder Präpositionalsyntagma werden im Deutschen mit Komposita (Wortzusammensetzungen) wiedergegeben, wie z.B. tetto apribile = dt. Schiebe- / Hebedach. Dies ist meist dann der Fall, wenn ein bestimmter Typ oder eine Unterklasse von etwas bezeichnet wird (tetto apribile ‘Schiebedach’ = Typ / Subklasse von tetto). Aus lernerorientierter Perspektive lässt sich zwischen den Elementen solcher Verbindungen eine kollokative Beziehung ausmachen (tetto bzw. Dach können als Basen identifiziert werden, apribile bzw. Schiebe- / Hebe- hingegen als “unvorhersehbare”, einzelsprachspezifische Kollokatoren). So müssen etwa vicolo ciecoSackgasse’ (wörtl.: “blinde Gasse”), letto a castello (‘Stockbett’, wörtl.: “Schlossbett”) und foresta vergineUrwald’ (wörtl.: “jungfräulicher Wald”) wie Kollokationen gelernt werden. Aus diesem Grund werden solche Verbindungen in unseren Lernwortschatz ebenfalls aufgenommen.

Beispiele

Bei den folgenden Beispielen handelt es sich um Kollokationen mit klar erkennbarer Bildlichkeit, die deshalb meist auch gut zeichnerisch umsetzbar sind (die Bildlichkeit im Italienischen und Deutschen kann dabei entweder unterschiedlich oder - in einigen Fällen - gleich oder ähnlich sein):

1) Substantiv (Subjekt) + Verb:
  • il dente balla (auch: dondola, traballa) = der Zahn wackelt (wörtl.: "der Zahn tanzt”)
  • mi si è addormentata la gamba = mir ist das Bein eingeschlafen (gleich wie im Deutschen)
  • mi formicola la gamba = mir kribbelt das Bein, ich habe Ameisenlaufen im Bein (wörtl. [in etwa]: “mir ameist das Bein / ich habe Ameisen im Bein”; vgl. la formica = die Ameise)
  • la lezione salta = die (Unterrichts-)Stunde fällt aus / entfällt (wörtl.: "die (Unterrichts-)Stunde springt”)
  • la malattia esplode (auch: scoppia) = die Krankheit bricht aus (wörtl.: "die Krankheit explodiert”)
  • il malcontento serpeggia (nella popolazione) = Unzufriedenheit macht sich (in der Bevölkerung) breit (wörtl.: "Unzufriedenheit schlängelt sich (in der Bevölkerung)”; vgl. il serpente = die Schlange)
  • il motore sfarfalla = der Motor flattert (ähnlich wie im Deutschen; vgl. la farfalla = der Schmetterling)
  • la sedia zoppica (auch: traballa) = der Stuhl wackelt (wörtl.: "der Stuhl hinkt”)
  • il sole tramonta = die Sonne geht unter (wörtl.: "die Sonne verschwindet jenseits der Berge”; vgl. il monte = der Berg)
  • mi fuma la testa = mir raucht der Kopf (gleich wie im Deutschen)
  • il treno fischia = der Zug pfeift (gleich wie im Deutschen)
2) Verb + Substantiv (direktes Objekt):
  • cementare un’amicizia = eine Freundschaft festigen (wörtl.: "eine Freundschaft einzementieren”)
  • cotonare i capelli = die Haare toupieren (wörtl.: "die Haare mit Baumwolle polstern/zu Baumwollknäueln formen”; vgl. il cotone = die Baumwolle)
  • stirare (auch: lisciare) i capelli = die Haare glätten (wörtl.: "die Haare bügeln”)
  • congelare il capitale / i prezzi = das Kapital / die Preise einfrieren (gleich wie im Deutschen)
  • piantare un chiodo (in qcs.) = einen Nagel (in etw.) einschlagen (wörtl.: "einen Nagel (in etw.) (ein-)pflanzen”)
  • accavallare le gambe = die Beine übereinander schlagen (wörtl. [in etwa]: "die Beine verpferdern”; vgl. il cavallo = das Pferd)
  • sgranchirsi le gambe = sich die Beine vertreten, die Beine ausstrecken (wörtl.: "die Beine wie ein Krebs bewegen”; vgl. il granchio = der Krebs [Tier])
  • accarezzare un'idea = sich mit einem Gedanken tragenmit einem Gedanken spielen (wörtl.: "einen Gedanken / eine Idee streicheln / liebkosen”)
  • inghiottire / ingoiare le lacrime = die Tränen hinunterschlucken (gleich wie im Deutschen)
  • appianare una lite = einen Streit schlichten (wörtl.: "einen Streit einebnen”)
  • covare (auch: incubare) una malattia = eine Krankheit ausbrüten (gleich wie im Deutschen)
  • spaccare il minuto = auf die Minute pünktlich sein (wörtl.: "die Minute spalten / zerschlagen / entzweischlagen”)
  • pescare un numero = eine Nummer ziehen (wörtl.: "eine Nummer fischen”; vgl. il pesce = der Fisch)
  • strizzare l’occhio (a qcn.) = das Auge zusammenkneifen, auch: (jemandem) zuzwinkern / zublinzeln (wörtl.: "das Auge auswringen / auspressen”)
  • allungare il passo = den Schritt beschleunigen,  schneller gehen (wörtl.: "den Schritt verlängern”)
  • abbracciare (auch: intraprendere) una professione = einen Beruf ergreifen (wörtl.: "einen Beruf umarmen”)
  • accendere la radio = das Radio einschalten (wörtl.: "das Radio anzünden”)
  • ricucire (auch: ricostituire) un rapporto = eine Beziehung wieder herstellen / wieder aufnehmen (wörtl.: "eine Beziehung wieder zunähen / zusammenflicken”)
  • custodire un segreto = ein Geheimnis hüten / bewahren (wörtl.: "ein Geheimnis (wie ein Wächter) bewachen”; vgl. il custode = der Wächter)
  • ammazzare il tempo = die Zeit totschlagen (wörtl.: "die Zeit töten / umbringen”)
  • perdere il treno = den Zug verpassen / versäumen (wörtl.: "den Zug verlieren”)
3) Verb + Präpositionalobjekt:
  • essere inchiodato al letto = ans Bett gefesselt sein (weil man krank ist) (wörtl.: "ans Bett (fest)genagelt sein”; vgl. il chiodo = der Nagel)
  • fumare (auch: ribollire) di rabbia = vor Wut kochen (wörtl.: "vor Wut rauchen”; ribollire = "nochmals aufkochen" / “überkochen" => ähnlich wie im Deutschen)
  • abboccare a uno scherzo = auf einen Scherz hereinfallen (wörtl.: "an einen Scherz  anbeißen [wie ein Fisch an einen Köder]”; vgl. la bocca = der Mund)
4) Substantiv + Adjektiv oder Präpositionalsyntagma:
  • il caldo soffocante (auch: asfissiante) = die brütende / drückende Hitze (wörtl.: "die erstickende Hitze”, "die Hitze, die einen zum Ersticken bringt")
  • un CD / DVD vergine = eine leere / unbespielte CD / DVD; ein CD- / DVD-Rohling (wörtl.: "eine jungfräuliche CD / DVD")
  • un cervello da gallina = ein Spatzenhirn (wörtl.: "ein Hennen- / Hühnerhirn")
  • una curva a gomito = eine scharfe Kurve (wörtl.: "eine Ellbogenkurve")
  • una curva cieca = eine unübersichtliche / scharfe Kurve (wörtl.: "eine blinde Kurve")
  • il dente canino = der Eckzahn (wörtl.: "der  Hundezahn"; vgl. il cane = der Hund)
  • il dente del giudizio = der Weisheitszahn (wörtl.: "der Zahn des Urteils")
  • una domanda a bruciapelo = eine unvermittelte Frage / eine Frage, die jemanden eiskalt erwischt (wörtl.: "eine Frage zum Fellverbrennen”; vgl. bruciare = (ver)brennen, il pelo = das Fell)
  • una domanda innocente = eine harmlose Frage (wörtl.: "eine unschuldige" Frage)
  • un dottore in erba = ein angehender oder frisch gebackener Doktor (wörtl.: "ein Doktor im Gras”)
  • un dolore martellante = ein hämmernder Schmerz (gleich wie im Deutschen; vgl. il martello = der Hammer)
  • una fantasia sfrenata = eine blühende / lebhafte / ausgeprägte / grenzenlose Phantasie (wörtl.: "eine ungebremste Phantasie"; vgl. il freno = die Bremse)
  • una febbre da cavallo = hohes Fieber (wörtl.: "Pferdefieber")
  • la foresta vergine = der Urwald (wörtl.: “jungfräulicher Wald”)
  • un freddo pungente = eine schneidende / beißende / eisige / klirrende Kälte (wörtl.: "eine stachelige / stechende Kälte")
  • una giornata storta = ein Tag, an dem alles schief läuft (wörtl.: "ein schiefer / krummer Tag")
  • il letto a castello = das Stockbett (wörtl.: "das  Schlossbett")
  • una memoria da elefante (auch: una memoria di ferro) = ein Bombengedächtnis (wörtl.: "ein Gedächtnis wie ein Elefant")
  • il motore truccato = der (auf)frisierte / getunte Motor (wörtl.: "der geschminkte Motor"; truccare = schminken)
  • (avere) il naso chiuso = eine verstopfte Nase (haben) (wörtl.: "eine geschlossene Nase (haben)")
  • un numero verde = eine kostenlose (Ruf-)Nummer (wörtl.: "eine grüne Nummer")
  • gli occhi a mandorla = Schlitzaugen (wörtl.: "Mandelaugen")
  • gli occhi sbarrati (auch: spalancati) = die (weit) aufgerissenen Augen (wörtl.: "die mit einem Schranken versperrten / aufgehaltenen Augen")
  • i pantaloni a zampa di elefante / a campana = die Schlaghose / Glockenhose (wörtl.: "die Hose mit Elefantenfüßen / -pranken"; a campana: gleich wie "Glockenhose" im Deutschen)
  • i pantaloni gessati = die Nadelstreifenhose (wörtl.: "die mit [weißer] Kreide angemalte Hose"; vgl. il gesso = die Kreide)
  • un parente acquisito = ein angeheirateter Verwandter (wörtl.: "ein erworbener Verwandter")
  • prezzi salati gesalzene / gepfefferte Preise (ähnlich wie im Deutschen)
  • la scala a chiocciola = die Wendeltreppe (wörtl.: "die Schneckentreppe / schnecken­förmige Treppe")
  • un sole da spaccare le pietre = eine gleißende / unbarmherzig brennende / stark brennende Sonne (wörtl.: "eine Sonne zum Steine Spalten”)
  • l’uovo strapazzato = das Rührei (wörtl.: "das misshandelte / strapazierte Ei")
  • il vicolo cieco = die Sackgasse (wörtl.: "die blinde Gasse")
  • lo zucchero a velo = der Puderzucker (wörtl.: "der Schleierzucker")

Lernwortschatz

Buchpublikation: Die italienischen Kollokationen, die in einer speziell dafür erstellten Datenbank erfasst werden, werden 2015 beim Verlag Helmut Buske (Hamburg) in Form eines Lernwortschatzes bzw. Wörterbuches publiziert.

Auswahl der Lemmata und Kollokationen: Der Auswahl italienischer Kollokationen für unseren Lernwortschatz wird ein strukturelles Kriterium zu Grunde gelegt, insofern ausschließlich solche Kollokationen erfasst werden, deren Basen Substantive darstellen, was auf die morpho-syntaktischen Typen 1-4 (aufgelistet unter “Unsere Kollokationskonzeption”) zutrifft. Die Anzahl der Basen (= gleichzeitig Lemmata des Lernwortschatzes) beschränkt sich zunächst auf ca. 900-1100 Substantive, die dem italienischen Grundwortschatz des Dizionario di base della lingua italiana (DIB) von De Mauro / Moroni (1996) angehören. Die Entscheidung, welche Lexemverbindungen überhaupt als Kollokationen zu klassifizieren und in den Lernwortschatz aufzunehmen sind, wird von den Projektmitarbeiterinnen selbst bzw. bei jeder Verbindung eigens getroffen, wobei als generelle Richtlinie die Zugehörigkeit zu einem der 5 semantischen Kollokationstypen (aufgelistet unter “Unsere Kollokationskonzeption”) gelten kann.

Nachschlagewerk und aktive Lernhilfe: Der Lernwortschatz soll einerseits als Nachschlagewerk dienen, andererseits aber auch und vor allem als “aktive” Lernhilfe für L2-Lerner/innen sowie als Hilfsmittel für Fremdsprachenlehrer/innen. Dadurch, dass die Kollokationen in zwei Spalten angeordnet werden (in der rechten Spalte findet sich jeweils die deutsche Entsprechung zum italienischen Teil in der linken Spalte), haben die Lerner/innen u.a. die Möglichkeit, eine der beiden Spalten abzudecken und zu überprüfen, was sie bereits gelernt haben bzw. wissen.

Illustrationen: Zur besseren Anschaulichkeit und Erleichterung des Memorisierens werden einige Kollokationen zusätzlich anhand entsprechender Bilder verdeutlicht, die von Tiroler Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Kooperationen mit Schulen sowie bei öffentlichen Veranstaltungen angefertigt wurden (siehe auch “Illustrationen”).

Aufbau der Einträge: Innerhalb eines Eintrages sind die Kollokationen nach den morpho-syntaktischen Typen 1-4 angeordnet, und innerhalb dieser richtet sich die Ordnung der Kollokationen jeweils alphabetisch nach dem Anfangsbuchstaben des Kollokators. Besonderes Augenmerk wird bei den Einträgen auf die Bewusstmachung von Unterschieden zwischen den italienischen und deutschen Kollokationen gelegt, wodurch sich ein größtmöglicher Nutzen bzw. Lerngewinn für die L2-Lerner/innen ergeben soll:

  • Zum besseren Nachvollzug der Bildlichkeit einer italienischen Kollokation wird (im Falle polysemer Kollokatoren) in Klammern unter Anführungszeichen auch ihre wörtliche Übersetzung ins Deutsche angegeben (ausgehend von der Grundbedeutung des Kollokators). Damit kann gezeigt werden, wie fehleranfällig die wörtliche Übertragung vom Italienischen ins Deutsche (bzw. umgekehrt) sein kann: z.B. il dente balla ‘der Zahn wackelt’, wörtl.: “tanzt”.
  • Für jede Kollokation wird ein Beispielsatz (inklusive deutscher Übersetzung) angeführt, um ihren Gebrauch in einem konkreten Kontext zu veranschaulichen. Bei sämtlichen Beispielen wird darauf geachtet, dass sie gebräuchlich bzw. nicht “konstruiert” und auch inhaltlich ansprechend sind. Zu diesem Zweck werden authentische Textbeispiele mittels Google gesucht, die von Erica Autelli als italienischer Muttersprachlerin stets überprüft, gegebenenfalls modifiziert und von Christine Konecny anschließend ins Deutsche übersetzt werden.
  • Kann eine Kollokation zugleich in mehreren Strukturtypen auftreten, so werden diese unter einem einzigen Eintrag zusammengefasst: z.B. otturare (auch: piombare) un dente / un dente otturato (auch: piombato) ‘einen Zahn plombieren (auch [seltener]: füllen, mit einer Füllung versehen)’ / ‘ein plombierter Zahn’.
  • Wenn es mehrere alternative Kollokatoren gibt, werden diese in Klammern angeführt: z.B. levare un dente ‘einen Zahn ziehen’, aber auch: cavare, estirpare, estrarre, strappare, togliere un dente.
  • Die Benutzer können unter einem Eintrag nicht nur die Kollokatoren einer bestimmten Basis in Erfahrung bringen, sondern gegebenenfalls durch Verweise auch die mit einem Kollokator verbundenen weiteren Basen: vgl. piantare i denti (nella mano a/di qcn.) ‘(jmdm.) (z.B. in die Hand) beißen’, wo auf den Eintrag chiodo verwiesen wird, unter dem sich die Kollokation piantare un chiodo ‘einen Nagel einschlagen’ findet.
  • Wenn zwei (oder mehrere) Kollokatoren Antonyme (Gegensatzwörter) darstellen, werden diese ebenfalls unter einem einzigen Eintrag zusammengefasst (mit dem Verweis “VS.” für ‘versus’): z.B. il dente aguzzo (auch: affilato) VS. il dente ottuso ‘der scharfe Zahn’ VS. ‘der stumpfe Zahn’.
  • In bestimmten Fällen finden sich auch Angaben zur Frequenz und zum Register der Kollokationen, z.B. wenn sie nur sehr selten, typischerweise in der Umgangssprache oder nur in pejorativer (abwertender) Bedeutung gebraucht sind (diese Angaben erheben jedoch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit): [selten], [ugs.], [pej.], usw.

Vorschau: Im Folgenden wird eine Vorschau auf den Eintrag des Lemmas dente ('Zahn') im geplanten Lernwortschatz geboten (für eine bessere Auflösung Eintrag anklicken und anschließend vergrößern):

Didaktischer Hintergrund

Theoretische Prämissen: Es ist davon auszugehen, dass Kollokationen durch eine zusätzliche bildliche und dadurch nicht ausschließlich “abstrakte” Vermittlung leichter erlernt und memorisiert werden können. Aus diesem Grund sollen in unserem Lernwortschatz einige ausgewählte Kollokationsbeispiele durch bildliche Darstellungen ihrer Konzeptualisierungen veranschaulicht werden.

Welche Kollokationen eignen sich für bildliche Darstellungen? Nicht alle Kollokationen eignen sich zur Anfertigung von Zeichnungen, sondern hauptsächlich solche, deren Kollokator mehrdeutig (polysem) ist und eine metaphorische Übertragung im Vergleich zu seiner Ausgangsbedeutung erfahren hat. Die dahinter stehende Bildlichkeit muss dabei noch klar erkennbar und zeichnerisch darstellbar sein, wie im Falle von il dente balla (der Zahn wackelt, wörtl.: "tanzt").

Wie entstehen die Bilder? Die Bilder zur Darstellung der Konzeptualisierung ausgewählter italienischer Kollokationen wurden/werden von Schülerinnen und Schülern im Rahmen diverser öffentlicher Veranstaltungen sowie auf Grund von Kooperationen mit Tiroler Schulen angefertigt.

Anzahl der bisher erstellten Zeichnungen: Bis dato wurden insgesamt bereits über 1000 Zeichnungen seitens Tiroler Schülerinnen und Schülern erstellt:

  • Aktionstag Junge Uni, November 2009: 157 Zeichnungen
  • Lange Nacht der Forschung, November 2009: 71 Zeichnungen
  • Aktionstag Junge Uni, November 2010: 209 Zeichnungen (inkl. Zeichnungen zu Phraseologismen anderer Sprachen)
  • Volksschule Innere Stadt Innsbruck, Oktober 2011: 12 Zeichnungen
  • Aktionstage Junge Uni, November 2011, SchülerInnentag: 199 Zeichnungen
  • Aktionstage Junge Uni, November 2011, Familientag: 59 Zeichnungen
  • Neue Mittelschule Königsweg Reutte, Dezember 2011 (Italienisch- und Kreativgruppe): 48 Zeichnungen
  • Volksschule Innere Stadt, Februar 2012: 15 Zeichnungen
  • Neue Mittelschule Dr. Fritz Prior, März 2012: 7 Zeichnungen
  • Tiroler Nacht der Forschung, Bildung und Innovation, April 2012: 45 Zeichnungen
  • HLW Reutte, Juni 2012: 24 Zeichnungen
  • Neue Mittelschule Königsweg Reutte, Juni 2012 (Italienisch- und Kreativgruppe): 33 Zeichnungen
  • Bundesrealgymnasium Adolf-Pichler-Platz, Jänner 2013: 26 Zeichnungen
  • Neue Mittelschule Stams-Rietz, April 2013: 47 Zeichnungen
  • Aktionstage Junge Uni, November 2013, SchülerInnentag: 109 Zeichnungen
  • Aktionstage Junge Uni, November 2013, Familientag: 29 Zeichnungen

Methode: Bei der Erstellung der Bilder wird jeweils von der Ausgangs- bzw. wörtlichen Bedeutung des Kollokators ausgegangen (bei il dente balla - der Zahn wackelt z.B. von ballare im Sinne von 'tanzen'). Eines der bisher beliebtesten Beispiele war der 'tanzende' (wackelnde) Zahn, ebenso der Nagel, der im Italienischen nicht eingeschlagen, sondern 'eingepflanzt' wird, oder das Radio, das beim Einschalten wörtlich genommen 'angezündet' wird.

Produktives Erstellen von Illustrationen im Lernprozess: Im Rahmen unserer Kooperationen mit Schulen und sonstigen Aktivitäten werden die jeweiligen Illustrationen von den Schüler/inne/n während des Lernprozesses produktiv bzw. aktiv erstellt, was unserer Erfahrung nach zu einem besonders großen Lernerfolg führt und vor allem auch Interesse und Motivation bei den Schüler/inne/n hervorruft.

Rezeptiver Einsatz der Illustrationen im Lernwortschatz: Beim Integrieren der entstandenen Illustrationen in unseren Lernwortschatz werden diese den Lerner/inne/n zum Zweck der Lernerleichterung und des besseren Memorisierens hingegen “rezeptiv” vorgesetzt (natürlich aber können die Lerner/innen, eventuell auch auf Anleitung einer Lehrperson, nach dem Vorbild der im Buch abgebildeten Zeichnungen selbst solche anfertigen). Das Endergebnis besteht - sowohl beim aktiven Erstellen als auch beim passiven Betrachten einer Illustration - jeweils im “Sehen” der Bildlichkeit hinter einer Kollokation: Zuerst sieht man tatsächlich das konkrete Bild, und im Anschluss daran wird das Bild im Gedächtnis abgespeichert, d.h. der / die Lerner/in “sieht” das Bild nun (auch) geistig vor sich und die Wendung wird mit dem betreffenden Bild assoziiert.